Sigmund Freud - Seine Arbeit
Bereits aufgrund einer Studienreise 1885 begann Freud zusammen mit dem Arzt Josef Breuer an der Sprechtherapie zuarbeiten, mit welcher Letzterer Bertha Pappenheim behandelte. Diese litt an schweren psychotischen Symptomen: Sprachstörungen, Neuralgien, Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Stimmungsschwankungen, Amnesien und Essstörungen. Erst nachdem sie ausgesprochen hatte, was sie tief in ihrem Inneren belastete und was sie bisher verschweigen musste, wurde diese allmählich weniger.
Der Begriff "Psychoanalyse" fiel 1896 zum ersten Mal. Breuers Arbeit entsprach dem Vorgehen von König Ödipus in dem Werk von Sophokles. Über dieses Stück hatten sich auch Goethe und Schiller unterhalten, wobei Letzterer dieses als "tragische Analysis" betitelte. Bereits früh behauptete Freud, dass bei der Analyse, den langen Gesprächen, irgendwann bedeutsame Geschehnisse aus der Kindheit hervorbringen würden. Er vermutete, dass sexueller Missbrauch durch den Vater der Hauptauslöser wäre, änderte seine Meinung jedoch nach kurzer Zeit und schob sie auf den Öpipus-Komplex der Kinder. In der nächsten Zeit veröffentlichte Freud die ersten bedeutenden Schriften: Die Traumdeutung 1900, Zur Psychopathologie des Alltagslebens 1901, Der Witz und seine Bedeutung zum Unbewussten 1905 und Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie ebenfalls 1905. Bereits 1902 erhält er eine außerordentliche Titular-Professur und gründet die "Psychologische Mittwochsgesellschaft", die 1908 zur "Wiener Psychoanalytischen Vereinigung" wurde, der unter anderem Alfred Adler, Paul Federn und Carl Gustav Jung angehörten. Im selben Jahr berief er den ersten psychoanalytischen Kongress ein, wo neue Methoden der Therapie vorgestellt und kontrovers diskutiert wurden.
Wiederum zwei Jahre später gründete er die "Internationale Psychoanalytische Vereinigung", die ein Jahr später von der amerikanischen und weitere acht Jahre später von der britischen ergänzt wurde. Die Zwanziger waren auf für Freud golden, denn er veröffentlichte seine zentralen Werke, auf die sich noch heute Wissenschaftler beziehen. Unter anderem war in einem dieser Werke (Das Ich und das Es) sein Instanzenmodell erklärt worden. Andere Veröffentlichungen waren Jenseits des Lustprinzips 1920, Massenpsychologie und Ich-Analyse 1921 und Das Unbehagen in der Kultur 1930. In diesem Jahr bekam er auch den Goethepreis verliehen.
Mit seinen Schriften und seiner Arbeit in den Vereinigungen war er unbestreitbar der Begründer dieses Faches. Freud übte einen starken Einfluss auf die Psychologen seiner Zeit aus und legte die Grundlage für ein Paradigma, welches heute in mehrere Schulen differenziert ist. Heute gibt es weit mehr als die zu seiner Zeit von Freud geschaffenen Konzepte. Sie ergänzen in Teilen seine Arbeit, es wurden aber auch neue und ganz eigene Ansätze eingebracht, die sich im Ursprung an seine Werke anlehnen und diese interpretieren, korrigieren, modifizieren und auch revolutionieren. Auch die Humanwissenschaften wurden durch die Schriften Freuds beeinflusst. Doch da diese Wissenschaft beinah unzählige Unterteilungen hat, wird hier nur auf die Lehren eingegangen, die die Psyche betreffen und alle sie betreffenden Vorgänge. Zu den am häufigsten genutzten Modellen der Psychoanalyse zählt das Instanzenmodell, oder auch Strukturmodell, der Psyche. Außerdem teilte er das menschliche Bewusstsein in mehrere Schichten und beschäftigte sich mit der psychosexuellen Entwicklung, der Hypnose, der freien Assoziation, der Traumdeutung, den nach ihm benannten Fehlleistungen, wie z.B. dem Freud'schen Versprecher und den Verdrängungsmechanismen, die man während der Analyse erkennen und abstellen muss.