Das Strukturmodell der Psyche
Den Begriff Psyche zu definieren ist ungefähr so leicht, wie eine Handvoll Wasser 100 Meter weit zu tragen. Doch um ein grobes Vorstellungsvermögen zu ermöglichen hatte Freud ein eigenes Konzept der Psyche niedergeschrieben. Dieses sieht die Psyche als System an, in dem das Subjekt wahrnimmt und denkt. In dieser Psyche befinden sich drei Instanzen (Organisationseinheiten): das Es, das Ich und das Über-Ich. Durch die Interaktion dieser Drei wird über das Agieren des Subjekts entschieden. Einen großen Einfluss darauf haben auch die Bewusstseinsschichten. Das Bewusste ist dabei nur die Spitze des Eisberges und beinhaltete alle Vorstellungen, Gedanken und Wahrnehmungen, die gerade aktuell sind. Das Vorbewusste ist das, was man im Wasser noch sieht, also Informationen, auf die man nicht sofort und willkürlich zugreifen kann, die einem jedoch nach einer Weile einfallen. Das Unterbewusste ist schließlich alles, was sich wirklich im Wasser befindet, jedoch nicht sichtbar ist und bezeichnet vor allem all das Wissen, was nicht bewusst gemacht werden kann, weil es verdrängt und abgewehrt wird.
Das Es ist die Instanz, welche vom Lustprinzip gesteuert wird. Hier liegen alle natürlich vorkommenden Triebe und Bedürfnisse, wie Hunger, Durst, Sicherheit und Fortpflanzung (Sie können sich gern die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow ansehen!). Dem Prinzip entsprechend möchte das Es, dass seine Bedürfnisse unmittelbar befriedigt werden. Hier ist es oft möglich, dass sich das Individuum den Trieben nicht bewusst ist. Im Gegensatz zu den anderen Instanzen ist das Es bereits bei der Geburt vorhanden, da bereits kleine Babys ihre Bedürfnisse ganz offen einfordern und sich durch Schreien bemerkbar machen. Im Laufe des Lebens erwachen andere Triebe, die nun auch nach Befriedigung streben. Ein Mensch entwickelt sich am besten, wenn nur seine bestehenden Bedürfnisse erfüllt werden und es nicht zu einem Mangel oder einem Überfluss kommt.
Das Über-Ich ist die Instanz der Normen und Werte, die danach verlangt, nach moralischen Vorstellungen zu handeln. Die Vorstellungen sind dabei durch Erfahrungen mit der Umwelt, vor allem den Eltern, erlernt worden. Diese Vorstellung erklärt, wieso es so wichtig ist kleinen Kindern öfter mal das Wort "Nein" zu sagen. Durch diese Erfahrungen erlernt der Mensch, welches Verhalten angebracht und erwünscht ist und welches soziale oder sogar physische Probleme auslösen könnte. Das Über-Ich entwickelt sich zeitgleich mit der Instanz des Ichs.
Das Ich ist der Kontrollapparat der Psyche. Die vom es aufgenommenen Reize und seine daraufhin geforderte Befriedigung seiner Bedürfnisse müssen vom Ich genauso beachtet werden, wie die Forderung des Über-Ichs die Norm- und Wertvorstellungen einzuhalten. Hier muss also mit bewusstem Denken das Realitätsprinzip durchgesetzt werden, welches beide Forderungen in Einklang bringen muss, um dann das Vorgehen zu realisieren. Das Ich ist somit die agierende Instanz, welche die Reaktion bestimmt und vom Körper ausführen lässt. Das Ich bildet sich, ebenso wie das Über-Ich, durch Erfahrungen. So wird durch das Unterscheiden der eigenen Person von den Anderen und der Analyse der Unterschiede ein Persönlichkeitsbild geformt, welches für die folgenden Entscheidungsprozesse von Bedeutung ist. Mit diesem Modell kann man die kleinsten Reaktionen, wie das Kaufen eines Schokoriegels, und die schwersten Aktionen eines Individuums, wie im Extremfall das Töten aus Selbstschutz, nachvollziehen und untersuchen.